Sonderservice des Amtsrichters

IMG_0337-kHeute kam ich – als auswärtiger Anwalt – in den Genuß einer besonderen Behandlung durch einen Amtsrichter:

Eine Terminierung um 8.00 Uhr morgens bei einem 60 km entfernten Amtsgericht.

Wie man so was hinkriegt? Eigentlich ganz leicht. Man muß den Richter noch vor dem ersten Termin mehrfach und eindringlich auf § 79 ZPO hinweisen, ergänzt um den Satz:

Ich gehe davon aus, daß Zivilprozesse auch beim Amtsgericht … nach den Regeln der ZPO geführt werden…

Und schon kommt man in den Genuß, 1 1/2 Stunden vor den übrigen Verfahren verhandeln zu dürfen. Kommt mir als Frühaufsteher entgegen  🙂

2016-04-21-0944-kDer Justizwachtmeister war etwas irritiert, als ich schon um 7.50 Uhr Einlaß ins Gerichtsgebäude begehrte, obwohl das Gericht erst um 8 Uhr öffnet. Ihm war eine solche Terminierung offensichtlich neu.

Zeugen waren übrigens keine geladen, weil dem Gericht „bei der Vorbereitung des Termins“ eine (vermeintliche) Unklarheit in meinem Sachvortrag auffiel… 😉

Sei´s drum. Dank der frühen Terminierung hatte ich keinerlei Probleme mit Berufsverkehr.

Nur der Kollege der Gegenseite schien ob der ungewöhnlich frühen Terminierung nicht gerade glücklich 🙂

10 Kommentare zu „Sonderservice des Amtsrichters

  1. Vielleicht sind ja zwischendurch ein paar Termine ausgefallen.

    Die Bemerkung zu 79 ZPO hat die Stimmung im Verfahren sicherlich auch verbessert. So vertritt man als Anwalt die Interessen seiner Mandantschaft garantiert am besten.

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    1. Ja, genau so vertritt man die Interessen seiner Mandantschaft garantiert am besten. Darauf achten, daß das Gericht sich an Recht und Gesetz hält. Die Einhaltung der Verfahrensvorschriften gehört dazu, insbesondere, wenn sie von Amts wegen zu beachten sind.
      Weder tolle Stimmung zwischen Anwalt und Richter noch Schmusekurs mit dem Gericht sind oberstes Ziel der anwaltlichen Tätigkeit.
      Oder ist Ihnen ein Anwalt lieber, der bei der kleinsten Kleinigkeit einknickt, Kalle?

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  2. Darf ich raten: eine (nicht mitverklagte) KH-Versicherung hat die Vertretung von Halter und Fahrer angezeigt?
    Da hätte ich auch massivst interveniert (inklusive „Nebenkriegsschauplatz“ RDG / UWG 😉 ).
    Und der Richter hat hoffensichtlich nicht nur Lernbedarf sondern auch -potential 😉

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  3. Klar muss der Anwalt sich mit dem Gericht anlegen, wenn das Interesse des Mandanten es erfordert. Aber bei der Durchsetzung des § 79 II ZPO geht es allein um anwaltliche Standesinteressen. Der Mandant hat nichts davon, wenn der Prozessgegner jetzt einen (neuen) Anwalt braucht.

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  4. Na toll. Mir als Mandant wäre die ZPO ehrlich gesagt ziemlich egal. Nicht egal wäre mir, wenn ich Stoßgebete gen Himmel schicken muss, dass der Richter genug Objektivität besitzt, seinen Ärger über die von meinem Anwalt auf eigene Rechnung angezettelte Privatfehde am Ende nicht an mir auszulassen.

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