Sachverständigenhonorar: VKS/BVK schlägt VHV-Honorarrechner

Nach einem Verkehrsunfall gibt es immer mal wieder Streit um das Sachverständigenhonorar. In den letzten Jahren verstärkt. Vor 2 Monaten hatte ich diesem Thema einen umfangreicheren Beitrag gewidmet.

Die VHV-Versicherung verwendet zur Kürzung des Sachverständigenhonorars einen „SV-Honorar-Rechner“,
wobei mir völlig unklar ist, was das sein soll. Jedenfalls wird dann am Ende irgendwie ein Honorar ausgespruckt, das niedriger ist als das, was der Sachverständige dem Geschädigten in Rechnung gestellt hat. Und dann kürzt die VHV.

Und ich klage dann.

Das Amtsgericht Brühl findet deutliche Worte zu diesem SV-Honorar-Rechner:

Der Kläger hat aus § 7 I StVG einen Anspruch auf den Restbetrag von 40 Euro für das Sachverständigengutachten. Zwar geht von dem von ihm tatsächlich erbrachten Aufwand keine Indizwirkung dafür aus, was der erforderliche Geldbetrag im Sinne des § 249 II 1 BGB ist, da er keine der Rechnung zugrundeliegende Preisvereinbarung vorgelegt hat. Allerdings sind die Positionen der Rechnung des Sachverständigen in Grund und Höhe nicht zu beanstanden, denn sie bewegen sich im Rahmen der VKS/BVK Honorarumfrage 2015. Der Klägerist nicht verpflichtet, vor Beauftragung eines Sachverständigen eine  umfangreiche Marktanalyse durchzuführen, um den günstigsten Anbieter zu finden und nur diesen allein zu beauftragen. Es ist lediglich erforderlich, dass er das unternimmt, was ein wirtschaftlich und verständig denkender Mensch in der Lage des Geschädigten zur Ermittlung und Behebung des Schadens für zweckmäßig und erforderlich hält, und das Honorar angemessen und üblich ist. Hält der Geschädigte den Rahmen des zur Wiederherstellung Erforderlichen ein, sind weder der Schädiger noch das Gericht dazu berechtigt, eine Preiskontrolle durchzuführen. Dies gilt auch für die Höhe des Sachverständigenhonorars.

Der von dem Beklagten angeführte SV-Honorarrechner ist demgegenüber „anonym“, der vorgelegte Ausdruck gibt keine Quelle zu erkennen, die darauf schließen lässt, wie und auf welcher Grundlage die angegebenen Werte berechnet wurden. Es ist kein Grund erkennbar, warum sich dieser unbekannte Rechner gegenüber der vom Kläger vorgelegten VKS/BVK Honorarumfrage 2015 durchsetzen sollte.

(AG Brühl 22 C 86/16 – Urteil vom 29.8.17)

 

Die VKS/BVK-Honorarumfrage gibt es zum Beispiel hier.

 

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