Sie mögen es einfach nicht

Sie mögen es einfach nicht. Es gefällt den Versicherungen ganz und gar nicht, wenn man den Halter oder Fahrer unmittelbar verklagt, anstatt den Prozeß gegen die Versicherung zu führen.

Das ist für den regelmäßigen Blog-Leser nichts Neues.

Wenn die Schadenregulierung mit kaum nachvollziehbarer Begründung abgelehnt wird, dann ist dem Kunden nicht so leicht zu erklären, wieso er verklagt wird.

Wie reagiert der Versicherer? Er stellt dem Kunden einen Anwalt zur Seite, der volle Attacke reitet:

[…] ist wenig nachvollziehbar, weshalb die Beklagten hier bereits vorgerichtlich mit Schreiben und dem Hinweis darauf, sie sollten „eine vollständige und fristgerechte Zahlung“ sicherstellen, behelligt wurden. Dass dem Krafthaftpflichtversicherer nach den Allgemeinen Kraftfahrtbedingungen die Regulierungshoheit zusteht, setzen wir als allgemein bekannt voraus. Die Beklagten kommen als Zeugen auch nicht in Betracht, sodass, falls es nicht bloß um das „Ärgern“ des Unfallgegners ging, kein vernünftiger Grund erkennbar ist, die Beklagten hier insoweit weiter zu behelligen. Es hatte sich außergerichtlich bereits die hinter den Beklagten stehende Krafthaftpflichtversicherung gemeldet, die in eigener Verantwortung die Aufgabe hat, berechtigte Ansprüche zu erfüllen und unberechtigte Ansprüche abzuwehren.

Dazu gibt es dann eine kurze Erwiderung von mir:

Unnötig sind die Ausführungen in der Klageerwiderung unter I. Die Beklagten werden nicht behelligt, die Beklagten werden in Anspruch genommen.

Ob die Kfz-Haftpflichtversicherung der Beklagten ihrer Aufgabe nachgekommen ist, „in eigener Verantwortung berechtigte Ansprüche zu erfüllen“, wird sich am Ende des Prozesses zeigen. Das Teil-Anerkenntnis der Beklagten spricht dagegen.

Darauf repliziert der von der Versicherung beauftragte Kollege:

Unsere Ausführungen in der Klageerwiderung unter I. waren ganz offenbar erforderlich, da nach wie vor kein vernünftiger Grund erkennbar ist, den seit den 1970er Jahren bestehenden Direktanspruch zu ignorieren und sich an die – versicherungsrechtlich nicht mehr zuständigen – Versicherungsnehmer bzw. den Fahrer zu wenden. Das kommt glücklicherweise nur noch sehr selten vor, wenn es dennoch gemacht wird, sind die hier gemachten Ausführungen eben erforderlich.

Ich will das Thema bei Gericht nicht weiter vertiefen, aber ich darf bei dem Kollegen „als bekannt voraussetzen“, daß nicht nur ein Direktanspruch existiert, sondern sogar 3. Diese richten sich gegen den Fahrer, gegen den Halter und gegen die Versicherung. Kein Anspruch besteht dagegen gegen den Versicherungsnehmer (es sei denn, dieser ist zugleich Halter/Fahrer).

Selbstverständlich gehe ich davon aus, daß der Kollege seinen Mandanten den Schriftwechsel in Kopie zukommen läßt (vgl. § 11 Absatz 1 BORA).

Die können sich dann ja selber Gedanken machen, warum sie „behelligt“ wurden.

 

Advertisements

Gut oder schlecht? Ich finde es …

Vor 2 Tagen habe ich gefragt, ob  es gut oder schlecht ist, wenn die Gegenseite einen Anwalt einschaltet.

Das Recht ist manchmal unlogisch. Und manchmal unverständlich – vor allem, wenn man sich nicht jahrelang intensiv damit beschäftigt.

Manchmal ist es sogar unverständlich, obwohl man sich jahrelang intensiv damit beschäftigt.

Als Anwalt bin ich parteiisch. Es ist meine Aufgabe, die Interessen des Mandanten zu vertreten. Natürlich weiß das auch die Gegenseite. Verständlicherweise bringt sie mir deswegen ein gewisses Mißtrauen entgegen.

Wenn ich einem mißtrauischen juristischen Laien darlegen soll, wieso es für meinen Mandanten (juristisch) gut aussieht, wird es schwierig. Da ist mir lieber, wenn diese Aufgabe ein Anwalt übernimmt, dem die Gegenseite vertraut (und den die Gegenseite bezahlt).

Außerdem sind die Parteien persönlich involviert. Wir Anwälte nicht. Deshalb fällt es uns leichter, auf einer sachlichen Ebene zu verhandeln und zu diskutieren.

Also: es ist gut, wenn die Gegenseite einen Anwalt anschaltet. 🙂

 

 

 

 

Gut oder schlecht?

Es geht um Unterhalt. Ich bitte die Gegenseite, die Einkommensverhältnisse mitzuteilen (§ 1605 BGB).

Nur so kann geklärt werden, ob bzw. in welcher Höhe Unterhaltsansprüche meines Mandanten bestehen.

Als Reaktion beauftragt die Gegenseite Rechtsanwalt xy, der mich anschreibt.

Das Schreiben leite ich an den Mandanten weiter mit dem Hinweis:

Rechtsanwalt xy kümmert sich jetzt um das Thema Unterhalt.

Darauf fragt der Mandant:

Ist das gut, oder schlecht?

Diese Frage möchte ich gerne an Euch weitergeben: