Die können es auch nicht

Mit dem Schätzen von Entfernung, Geschwindigkeit oder Zeit ist das so eine Sache. Das kann nicht jeder.

Eigentlich kaum jemand. Auch nicht die Polizei.

Zeugenaussage einer Polizistin vor dem Amtsgericht:

Im Schätzen bin ich schlecht. Das waren so 50 – 100 Meter, mehr nicht.
In Fahrzeuglängen kann ich ganz gut. Das waren ungefähr 3 Fahrzeuglängen.

3 Fahrzeuglängen = 100 Meter. Das sind ziemlich lange Autos 😉

Erfreulich, daß sie sofort klarstellt, schlecht im Schätzen zu sein. Und es zeigt: auch die Polizei kann es nicht.

Schätzungen von Zeugen sind kaum brauchbar.

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Flüchtigkeitsfehler häufen sich

Scheidungstermin vor dem Amtsgericht.  Aus dem Protokoll:

Die Antragsteller-Vertreterin erklärt sodann:
Auf Rechtsmittel einschließlich eines eventuellen Anschlußrechtsmittels wird verzichtet.

Der Antragsgegner erklärt keinen Rechtsmittelverzicht. Gleichwohl bescheinigt die Geschäftsstelle des Amtsgerichts sofortige Rechtskraft.

Sicherlich ein Flüchtigkeitsfehler, der aber unangenheme Auswirkungen haben kann (Familienversicherung § 10 I SGB V).

Hier mal ein falsches Knöpfchen gedrückt, da mal eine falsche Bankverbindung eingegeben,  dort einen falschen Vergleichstext wiedergegeben, jetzt voreilig Rechtskraft bescheinigt.

Die Flüchtigkeitsfehler häufen sich.

Ich tippe auf Überlastung der Justizmitarbeiter wegen Personalmangels…

Gestreßt zum Gericht

Der Mandant war noch nie bei Gericht. Zumindest nicht beim Amtsgericht Köln. In Zeiten des Navis kein Problem. Adresse eingeben und los geht’s.

Stau und Wartezeit bei der Einlaßkontrolle einkalkuliert, und schon steht der Pünktlichkeit nichts im Wege.

Das Navi zeigt noch 300 Meter an. Da vorne ist ein Parkplatz frei. Alles bestens, es ist noch massig Zeit, die paar Meter kann man auch zu Fuß gehen.

Er geht. Und sucht. Und geht. Und sucht. Kein Gericht in Sicht.

Er kontrolliert die Anschrift. Luxemburger Straße 101. Leider hatte er im Navi nicht die Hausnummer eingegeben, sondern die Nummer des Saals. Was das Navi nicht wußte.

Die Verhandlung findet in der 11. Etage statt. Saal Elfhundertirgendwas. Da ist der Mandant jetzt. Luxemburger Straße Elfhundertirgendwas. Kurz vor Hürth. Ziemlich weit entfernt von der Luxemburger Straße 101.

Was tun?

Der freundliche Anwalt hatte vorher den Tipp gegeben, kurz bei Gericht anzurufen, falls es zu einer Verspätung kommt. Die Nummer steht auf der Ladung.

Die Verhandlung beginnt um 8.45 Uhr. Es ist deutlich vor 8.45 Uhr. Es ist zwar noch Zeit genug, aber sicher ist sicher. Kurz anrufen und Bescheid geben:

Justizbehörden Köln. Sie rufen außerhalb unserer Geschäftszeiten an.

Läuft. 😉

Zum Glück fährt auf der Luxemburger Straße eine Straßenbahn. Nach ein paar Stationen ist er am Gericht, der Fahrstuhl bringt ihn in die 11. Etage.

Gestreßt, aber pünktlich.

Nach 10 Minuten ist die Verhandlung zu Ende. Und der Mandant entspannt. 🙂

Ach ja, zu spät kam der Kollege aus Köln. Der Verkehr…