Aus taktischen Gründen uneinsichtig

Versicherungen verhalten sich aus taktischen Gründen uneinsichtig, was heutzutage für einen durchschnittlichen Geschädigten leicht erkennbar ist.

Zumindest sieht es des AG Kerpen so.

Der Geschädigte reicht ein Gutachten bei der Versicherung ein. Die Versicherung kürzt dieses Gutachten (u.a.) aus technischen Gründen. Der Geschädigte leitet diese Kürzung an seinen Sachverstänidgen zur Stellungnahme weiter. Der Sachverständige nimmt hierzu Stellung und berechnet hierfür 95,20 €. Diese 95,20 € möchte der Geschädigte ebenfalls von der Versicherung ersetzt haben. Zu Unrecht, wie das AG Kerpen meint:

Die Klägerin hat jedoch keinen Anspruch auf Erstattung der Kosten für das Ergänzungsgutachten des Privatgutachters T. […] in Höhe von 95,20 €.

Diese Kosten waren im Sinne des § 249 BGB nicht notwendig. Ob die Kosten für die Einholung eines Ergänzungsgutachtens im Kfz-Schadensfall zu dem nach § 249 BGB ersatzfähigen Schaden zählen, beurteilt sich nach den Grundsätzen zur Erstattungsfähigkeit von Sachverständigenkosten. Danach sind die Kosten für die Einholung eines Ergänzungsgutachtens ersatzfähig, soweit die Begutachtung zur Geltendmachung des Schadensesatzanspruchs oder zur tatsächlichen Durchführung der Wiederherstellung erforderlich und zweckmäßig ist. Muss der Geschädigte demgegenüber damit rechnen, dass eine gerichtliche Klärung notwendig und ein Gericht ein weiteres Gutachten einholen würde, fehlt es an der Ersatzfähigkeit (LG Saarbrücken, Urteil vom 22. Juni 2012 – 13 S 37/12 -, Rn. 51, juris).

Hiernach sind die Kosten des in Rede stehenden Ergänzungsgutachtens nicht ersatzfähig. Die Einholung jenes Gutachtens durch die Klägerin erfolgte als Reaktion auf die Vorlage der Gutachtenprüfung durch den Privatgutachter H., DEKRA Köln, […] seitens des Haftpflichtversicherers der Beklagten. Es ist nicht ersichtlich, dass ein wirtschaftlich denkender Geschädigter in der Position der Klägerin ein solches Gutachten eingeholt hätte. Denn Anhaltspunkte dafür, dass die Beklagte aufgrund einer erneuten Überprüfung durch den Privatgutachter T., die erwartungsgemäß genauso ausfiel wie das Ergebnis des Erstgutachtens, nunmehr bereit sein würde, entsprechend dem vom Kläger in Auftrag gegebenen Gutachten abzurechnen, sind nicht ersichtlich (vgl. auch AG Köln, Urteil vom 11. Januar 2112 – 265 C 35/11 -, juris). Zudem ist es heutzutage für den durchschnittlichen Geschädigten leicht erkennbar, dass ein Haftpflichtversicherer, der bereits ein eigenes Privatgutachten zur Überprüfung des geschädigtenseits vorgelegten Privatgutachten eingeholt hat, sich von Argumenten desselben Gutachters schon allein aus taktischen Gründen nicht überzeugen läßt.

[Urteil des AG Kerpen vom 24.10.17 – 102 C 166/16]

 

Advertisements

Zahl mal, das ist hier üblich

Der Geschädigte kann Reparaturkosten (netto) auch dann verlangen, wenn das Auto nicht repariert wird. Die Versicherungen kürzen bei einer solchen fiktiven Abrechnung regelmäßig UPE-Aufschläge auf Ersatzteile und Verbringungskosten.

Diese sind aber auch bei fiktiver Abrechnung zu ersetzen, soweit sie regional üblich sind.

Insbesondere stellen im vorliegenden Fall auch die seitens des klägerischen Privatgutachters T. kalkulierten Verbringungskosten sowie UPE-Aufschläge ersatzfähigen Schaden dar. Insoweit ist es unschädlich, dass die Klägerin eine fiktive Schadensabrechnung vorgenommen hat. Nach zutreffender Meinung können prozentuale Aufschläge auf Ersatzteilpreise verlangt werden, wenn und soweit sie regional üblich sind. Dann machen sie den erforderlichen Reparaturaufwand aus, der für die Behebung des Fahrzeugschadens erforderlich ist (OLG Düsseldorf, Urteil vom 16. Juni 2008 – I-1 U 246/07 -, Rn. 59,  juris). Selbiges gilt für Verbringungskosten, wenn – wie hier die Lackierarbeiten – die entsprechenden Arbeiten üblicherweise nicht selbst, sondern durch einen spezialisierten Fachbetrieb vorgenommen werden (vgl. insoweit OLG Düssedorf, Urteil vom 06. März 2012 – I-1 U 108/11, Rn. 16, juris).
Diesbezüglich hat der Sachverständige G. auf S. 7/8 des Gutachtens, Bl. 90/91 d.A., ausgeführt, dass UPE-Aufschläge und Verbringungskosten im hier relevanten Umkreis des Wohnortes der Klägerin üblich seien.
[Urteil des AG Kerpen vom 24.10.17 – 102 C 166/16]

Es wurde ein für die Versicherung teurer Kürzungsversuch…

Vorgaben der HUK für Gericht irrelevant

Ich hatte bereits von den Gutachtenkürzungen „im Auftrag und nach Vorgaben der HUK“ berichtet. Das Gericht hat sich der Sache angenommen:

Unter dem 08.12.2015 erstellte der Privatgutachter T. im Auftrag der Klägerin ein Gutachten bezüglich der unfallbedingten Schäden […] Hierin kam der Privatgutachter zu dem Ergebnis, dass die unfallbedingten Reparaturkosten bezüglich des oben genannten Fahrzeuges der Klägerin insgesamt 1.806,43 € netto betragen.
[…]
In der Folgezeit zahlte der Haftpflichtversicherer der Beklagten unter Berufung auf eine Gutachtenprüfung des Privatgutachters H., DEKRA Köln, […] unfallbedingte Reparaturkosten in Höhe von lediglich insgesamt 1.356, 83 € netto an die Klägerin aus.
[…]
Insoweit steht nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme mit hinreichender Wahrscheinlichkeit, § 287 ZPO, fest, dass die zur Wiederherstellung des streitgegenständlichen klägerischen PKW erforderlichen Reparaturkosten insgesamt 1.807,86 € netto betragen. Dies folgt aus dem Gutachten des gerichtlichen Sachverständigen G. […]

[Urteil des AG Kerpen vom 24.10.17 – 102 C 166/16]

Die Vorgaben der HUK zur Gutachtenüberprüfung interessieren das Gericht nicht. Die Vorgaben der HUK zur Gutachtenüberprüfung interessieren auch den gerichtlich Sachverständigen nicht.

Das wundert mich nicht. Obwohl ich schon gerne wüßte, welche Vorgaben genau die HUK der DEKRA gemacht hat…