Es soll eskalieren

Telefonat mit dem Sachbearbeiter der Versicherung. Es geht um die Kürzung des Anwaltshonorars, nachdem der Fahrzeugschaden durch Verweisung auf eine günstigere Werkstatt gekürzt wurde.

Durch die Verweisung auf eine Billigwerkstatt reduziert sich das Anwaltshonorar nicht, wie Jaeger und auch das AG Brühl meinen. Darauf weise ich in meinen Schreiben an die Versicherung auch hin (Textbaustein sei Dank).

Die Reaktion des Sachbearbeiters am Telefon:

Sie sind nicht der Erste. Ich habe es nicht entschieden. Es tut mir leid.
Die Sache soll eskalieren.

Nun gut. Wenn es sein muß, dann muß es sein.

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Jaeger sei Dank: Anwaltshonorar reduziert sich nicht durch Verweisung auf günstigere Reparaturmöglichkeit

Zumindest bei fiktiver Abrechnung kürzen Versicherungen die geltend gemachten Reparaturkosten regelmäßig dadurch, daß sie auf eine (angeblich) gleichwertige, aber günstigere Werkstatt verweisen.

Sie kürzen dann nicht nur die Reparaturkosten, sondern auch das Anwaltshonorar. Begründung: der Schaden (Reparaturkosten) sei geringer, das Anwaltshonorar berechne sich nach der Schadenhöhe, dementsprechend sei auch das Anwaltshonorar zu reduzieren.

Das sehe ich anders. Das Amtsgerich Brühl auch:

Der Kläger hat außerdem einen Anspruch auf Ausgleich der vorgerichtlich entstandenen Rechtsanwaltsgebühren nach dem Gegenstandswert bis 2.000,00 €.

Zwar gilt grundsätzlich, dass ein Geschädigter, der einen Anwalt mit der Durchsetzung eines unbegründeten (weil überhöhten) Anspruchs beauftragt, die daraus entstehenden Anwaltskosten nicht mehr dem Schäder als Folgen seines Verhaltens aufbürden kann. Allerdings war der Rechtsanwalt hier gehalten, den mit Gutachten (mit den Stundenverrechnungssätzen) der markengebundenen Fachwerkstatt festgestellten Reparaturschaden gegenüber dem Schädiger zu beanspruchen. Dessen Höhe bestimmt sich nach dem Gegenstandswert seiner außergerichtlichen Tätigkeit. Erst der Verweis auf eine günstigere Reparaturmöglichkeit bei einer anderen Werkstatt hat den ersatzfähigen Schaden auf den niedrigeren Reparaturkostenaufwand verringert. Hierdurch ändert sich an dem entstandenen Honoraranspruch des Klägervertreters nach dem höheren Gegenstandswert nichts.

(AG Brühl 22 C 86/16 – Urteil vom 29.8.17)

An dieser Stelle vielen Dank an den Kollegen Rechtsanwalt Alexander Jaeger, der mit seinem Aufsatz Der Gegenstandswert der außergerichtlichen Tätigkeit im Verkehrsrecht in der zfs 2016, 490 maßgeblich dazu beigetragen hat, das Gericht von der richtigen Rechtsauffassung zu überzeugen. 🙂

Sachverständigenhonorar: VKS/BVK schlägt VHV-Honorarrechner

Nach einem Verkehrsunfall gibt es immer mal wieder Streit um das Sachverständigenhonorar. In den letzten Jahren verstärkt. Vor 2 Monaten hatte ich diesem Thema einen umfangreicheren Beitrag gewidmet.

Die VHV-Versicherung verwendet zur Kürzung des Sachverständigenhonorars einen „SV-Honorar-Rechner“,
wobei mir völlig unklar ist, was das sein soll. Jedenfalls wird dann am Ende irgendwie ein Honorar ausgespruckt, das niedriger ist als das, was der Sachverständige dem Geschädigten in Rechnung gestellt hat. Und dann kürzt die VHV.

Und ich klage dann.

Das Amtsgericht Brühl findet deutliche Worte zu diesem Weiterlesen