Not amused

Vor ziemlich genau einem Jahr bezeichnet ein Mandant die Verzögerungen bei der Erstellung eines Sachverständigengutachtens als Lachnummer.

Seit April 2017 liegt das Gutachten vor. Keine der Parteien erhebt Einwendungen gegen das Gutachten. Keine der Parteien stellt Ergänzungsfragen.

Der Einzelrichter am Landgericht legt den erforderlichen Verhandlungstermin in den August. 1 Woche vor dem Termin wird der Termin verlegt, weil der Einzelrichter erkrankt. Neuer Termin im September. Der Termin wird verlegt, weil ein vorsorglich geladener Zeuge in Urlaub ist. Neuer Termin Ende November 2017 (also nächste Woche).

Gestern Nachmittag flattert ein Fax rein. Der Termin wird aufgehoben.

Grund der Aufhebung: Kammersitzung.

Ich weiß nicht, ob der Einzelrichter bei der Terminierung die Kammersitzung übersehen hat, oder ob der Kammervorsitzende nachträglich den Kammertermin anberaumt hat. Ist auch nicht so wichtig, so was kann passieren.

Aber: Verkehrsunfall Mitte 2014, ein Urteil ist 2017 nicht mehr zu erwarten.

Der Mandant is not amused.

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Schätz mal!

Geschwindkeit, Entfernung, Dauer und Lautstärke können für die Aufklärung eines Sachverhaltes entscheidend sein. Zum Beispiel bei Verkehrsunfällen.

Aus dem Protokoll des Landgerichts:

Auf Fragen des Prozessbevollmächtigten der Beklagten zu 1) und 2):
Ich kann nicht genau sagen, wie lange oder wie weit ich schon losgefahren war an der Ampel, als es zu dem Unfall gekommen ist. Es kann sein, dass es zwanzig Sekunden waren, ich würde sagen, es war unmittelbar danach.

– Der Zeuge wird gebeten, eine Zeitspanne von zwanzig Sekunden anzugeben. Er erhält ein Startsignal zu dem Zeitpunkt, als sich der Sekundenzeiger auf der Uhr des Vorsitzenden bei 3 Uhr befindet. Er gibt das Stoppsignal nach fünf Sekunden, d.h. zu einem Zeitpunkt, als der Sekundenzeiger sich bei 4 Uhr befindet. –

Der Zeuge schätzt 5 Sekunden statt 20 Sekunden. Eine Abweichung um den Faktor 4.

Da könnt Ihr sicher besser schätzen, oder? Wenn der Vorsitzende „Los!“ sagt, einfach zählen

– einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig … neunundreißig, vierzig –

Jetzt sind 20 Sekunden rum. Zumindest ungefähr. Hängt davon ab, wie schnell Ihr zählt. Aber nach 5 Sekunden ist bestimmt noch keiner von Euch fertig mit Zählen.

Nur, könnt Ihr Zeitspannen auch dann gut einschätzen, wenn Euch niemand vorher sagt: „Paß auf, gleich geht es los“ ?

Wenn niemand sagt: „Gleich passiert ein Unfall, Du wirst dazu in einem Jahr vor Gericht als Zeuge gehört werden, achte auf alles, was gleich passiert.“

Jetzt habt Ihr in etwa eine Vorstellung, wie brauchbar Zeugenaussagen sind, bei denen im Nachhinein etwas eingeschätzt werden soll: Laut – leise, schnell – langsam, weit – nah, lange – kurz, stark gebremst- schwach gebremst…

Wenig brauchbar.

 

Neue Kollegen

Offensichtlich haben wir ein paar neue Kollegen bekommen.

Aber die Idee ist schon genial: erst fange ich als Polizist die bösen Buben, dann verteidige ich sie als Rechtsanwalt vor dem Amtsgericht / Landgericht Köln. Und profitiere auch noch vom Parkprivileg der Rechtsanwälte.

3 Fliegen mit einer Klappe 😉