Gut oder schlecht? Ich finde es …

Vor 2 Tagen habe ich gefragt, ob  es gut oder schlecht ist, wenn die Gegenseite einen Anwalt einschaltet.

Das Recht ist manchmal unlogisch. Und manchmal unverständlich – vor allem, wenn man sich nicht jahrelang intensiv damit beschäftigt.

Manchmal ist es sogar unverständlich, obwohl man sich jahrelang intensiv damit beschäftigt.

Als Anwalt bin ich parteiisch. Es ist meine Aufgabe, die Interessen des Mandanten zu vertreten. Natürlich weiß das auch die Gegenseite. Verständlicherweise bringt sie mir deswegen ein gewisses Mißtrauen entgegen.

Wenn ich einem mißtrauischen juristischen Laien darlegen soll, wieso es für meinen Mandanten (juristisch) gut aussieht, wird es schwierig. Da ist mir lieber, wenn diese Aufgabe ein Anwalt übernimmt, dem die Gegenseite vertraut (und den die Gegenseite bezahlt).

Außerdem sind die Parteien persönlich involviert. Wir Anwälte nicht. Deshalb fällt es uns leichter, auf einer sachlichen Ebene zu verhandeln und zu diskutieren.

Also: es ist gut, wenn die Gegenseite einen Anwalt anschaltet. 🙂

 

 

 

 

Advertisements

Gut oder schlecht?

Es geht um Unterhalt. Ich bitte die Gegenseite, die Einkommensverhältnisse mitzuteilen (§ 1605 BGB).

Nur so kann geklärt werden, ob bzw. in welcher Höhe Unterhaltsansprüche meines Mandanten bestehen.

Als Reaktion beauftragt die Gegenseite Rechtsanwalt xy, der mich anschreibt.

Das Schreiben leite ich an den Mandanten weiter mit dem Hinweis:

Rechtsanwalt xy kümmert sich jetzt um das Thema Unterhalt.

Darauf fragt der Mandant:

Ist das gut, oder schlecht?

Diese Frage möchte ich gerne an Euch weitergeben:

Jaeger sei Dank: Anwaltshonorar reduziert sich nicht durch Verweisung auf günstigere Reparaturmöglichkeit

Zumindest bei fiktiver Abrechnung kürzen Versicherungen die geltend gemachten Reparaturkosten regelmäßig dadurch, daß sie auf eine (angeblich) gleichwertige, aber günstigere Werkstatt verweisen.

Sie kürzen dann nicht nur die Reparaturkosten, sondern auch das Anwaltshonorar. Begründung: der Schaden (Reparaturkosten) sei geringer, das Anwaltshonorar berechne sich nach der Schadenhöhe, dementsprechend sei auch das Anwaltshonorar zu reduzieren.

Das sehe ich anders. Das Amtsgerich Brühl auch:

Der Kläger hat außerdem einen Anspruch auf Ausgleich der vorgerichtlich entstandenen Rechtsanwaltsgebühren nach dem Gegenstandswert bis 2.000,00 €.

Zwar gilt grundsätzlich, dass ein Geschädigter, der einen Anwalt mit der Durchsetzung eines unbegründeten (weil überhöhten) Anspruchs beauftragt, die daraus entstehenden Anwaltskosten nicht mehr dem Schäder als Folgen seines Verhaltens aufbürden kann. Allerdings war der Rechtsanwalt hier gehalten, den mit Gutachten (mit den Stundenverrechnungssätzen) der markengebundenen Fachwerkstatt festgestellten Reparaturschaden gegenüber dem Schädiger zu beanspruchen. Dessen Höhe bestimmt sich nach dem Gegenstandswert seiner außergerichtlichen Tätigkeit. Erst der Verweis auf eine günstigere Reparaturmöglichkeit bei einer anderen Werkstatt hat den ersatzfähigen Schaden auf den niedrigeren Reparaturkostenaufwand verringert. Hierdurch ändert sich an dem entstandenen Honoraranspruch des Klägervertreters nach dem höheren Gegenstandswert nichts.

(AG Brühl 22 C 86/16 – Urteil vom 29.8.17)

An dieser Stelle vielen Dank an den Kollegen Rechtsanwalt Alexander Jaeger, der mit seinem Aufsatz Der Gegenstandswert der außergerichtlichen Tätigkeit im Verkehrsrecht in der zfs 2016, 490 maßgeblich dazu beigetragen hat, das Gericht von der richtigen Rechtsauffassung zu überzeugen. 🙂