Soll ich? Die Entscheidung.

Gestern hatte ich hier über PM berichtet, der mir per Email ein Mandat für eine Sprungrevision zum Bundesverwaltungsgericht antrug, allerdings mit einigen Vorgaben seinerseits.

Auf meine Frage, was ich tun soll, haben 51 Leser geantwortet (Stand: 9.5.17, 16.00 Uhr).

19 Leser meinten, ich solle die Email einfach löschen. Der Gedanke ist natürlich verführerisch, könnte aber zu Problemen führen. Will ein Anwalt ein Mandat ablehnen, muß er das unverzüglich mitteilen, anderenfalls macht er sich schadenersatzpflichtig (§ 44 BRAO).

12 Lesern zufolge sollte ich das Mandat (skeptisch) annehmen und erst mal eine Vorschußrechnung schreiben. Das mit dem Vorschuß ist eine feine Sache. So kann ich sicher sein, daß ich mein Geld bekomme und nicht umsonst arbeite. Und falls der Vorschuß nicht kommt, kann ich das Mandat niederlegen. § 627 BGB sieht vor, daß der Anwalt jederzeit das Mandat niederlegen (= kündigen) kann. Eine Ausnahme ist Weiterlesen

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Soll ich?

Montagmorgen, 7.00 Uhr in der Kanzlei. Ich lese die Emails des Wochenendes, und schon winkt ein lukratives Mandat.

PM sucht auf elektronischem Wege einen Anwalt für eine Sprungrevision zum Bundesverwaltungsgericht. Menschenskind! Zum Bundesverwaltungsgericht nach Leipzig kommst Du auch nicht alle Tage.

Die Finanzierung des Mandats scheint gesichert. PM habe nicht nur eine, nein sogar zwei Versicherungen. Da kann fast nichts mehr schiefgehen. PM würde auch vorgeben, in welcher Reihenfolge die Versicherungen anzufragen seien. Gut so, dann brauche ich mir darüber schon mal keine Gedanken zu machen.

Falls keine Versicherung hafte (kaum denkbar bei gleich zwei Versicherungen, oder?), werde PM den Prozeß jedoch nicht führen. Dafür erwarte er, daß keine privat zu tragenden Kosten anfielen und nur mit einer Versicherung abgerechnet werde. Schließlich gäbe es bei den Versicherungen einen Stichentscheid, da könne ich dann bei Ablehnung auf Kosten der Versicherung ein Gutachten erstellen. PM kennt sich also aus mit Rechtsschutzversicherungen.

Auch sonst scheint PM unkompliziert. Eine Erstberatung brauche PM nicht, da schon viele erfolgt seien.

Langwierige Besprechungen in der Kanzlei sind auch nicht zu erwarten. Wegen der Entfernung müsse das Mandat telefonisch, brieflich oder per Email geführt werden. Dafür sei PM fast immer telefonisch zu erreichen. Allerdings solle ich ihn nicht anrufen, um zu drohen oder zu sagen, er solle besser arbeiten.

Hintergrundinformationen seien der Email als Anhang beigefügt.

Und nun?

Vor der Währungsreform

So fing alles an. Mein erstes Anwaltshonorar:

Scheck-k

Das war im letzten Jahrtausend!

Die Währung hieß noch DM und es ging um eine Badewanne, glaube ich. Es war mein erstes Mandat. Wie die Sache ausging, weiß ich nicht mehr. Aber die Rechtsschutzversicherung bezahlte – ohne Kürzung!

Inzwischen ist die Kanzlei zwei Häuser weiter gezogen. Der Mandant von damals kommt immer noch zu uns 🙂